
ZEITTAFEL
1813 Geburtstag am 25. Dezember
1826 - 33 Schüler des Gymnasiums "Theodorianum"
in Paderborn
1834 - 38 Studium der Medizin in Greifswald
1838 Promotion zum Doktor der Medizin
1840 Medizinisches Staatsexamen in Berlin
1841 - 76 Arzt in Bad Driburg
1849 Übersetzung des Epos "Axel" von Esaias Tegner
1850 Vermählung mit Anna Gipperich
1854 - 60 Stadtverordneter in Bad Driburg
1856 - 65 Brunnenarzt in Bad Lippspringe
1858 Herausgabe der Schrift "Die Arminiusquelle
zu Lippspringe"
1862 - 93 Abgeordneter des Preußisches Landtages
in Berlin
1867 Übersiedlung nach Schloss Thienhausen
bei Steinheim
1869 Veröffentlichung der Übersetzungen von A. Tennyson
"Enoch Aden" und "Aylmer's Field"
1872 Herausgabe schwedischer Lieder in deutscher Sprache
1874 Veröffentlichung der Übersetzung "Maud" von
A. Tennyson
1878 Veröffentlichung von "Dreizehnlinden"
1880 Ernennung zum Ehrendoktor der Philosophie
der Universität Münster
1885 Herausgabe der "Marienblumen"
1887 Bezug des eigenen Hauses in Nieheim
Veröffentlichung des "Vater unser"
1892 Herausgabe des Epos "Goliath" der
"Gedichte" und
"Das Leiden unseres Heilandes"
1894 5. April, Sterbetag
1896 Veröffentlichung der Gedichte
"Herbstblätter"
LEBENSBILD
Arm bin ich auf die Welt gekommen,
All meine Mitgift Haupt und Hand;
Die hab ich dankbar hingenommen
Als ein zum Dienst geborgtes Pfand.
So zog ich aus zum fernen Ziele
Getrosten Muts bergab, bergan:
Es gibt der Täler ja so viele,
Wo man sein Hüttchen bauen kann.
Und Arbeit fand ich, Bergeslasten,
Ein Tal und Herzen, treu wie Gold,
Auch wohl ein Lied bei seltenem Rasten:
Nun sagt, war mir das Glück nicht hold?
So beschreibt Friedrich Wilhelm Weber in seinem Gedicht "Weltenglück" sein Leben und seine Arbeit.
Die Orte, in denen er sein Glück fand, liegen alle im Kreis Höxter und heißen Alhausen, Bad Driburg, Schloss Thienhausen bei Steinheim und Nieheim.

Weber-Geburtshaus in Alhausen
Am 1. Weihnachtstag 1813 wurde Friedrich Wilhelm Weber in einem idyllischen Talwinkel des Eggegebirges, in Alhausen, geboren. Von seinem evangelischen Vater, Förster des Grafen von Asseburg, erbte er sein tiefes Naturgefühl, während er von der katholischen Mutter die Phantasie und die Tiefe der Empfindungen übernahm. Schon in Kindertagen erfuhr Weber gelebtes, von Toleranz gerägtes, ökumänisches Christentum. Diese Glaubenshaltung blieb zeitlebens Webers geistige Orientierung, die sich in vielen seiner Werke widerspiegelt.
Nach bescheidenen aber doch sorglosen und glücklichen Kindertagen im Kreise dreier Geschwister besuchte Friedel, wie ihn seine Eltern liebevoll nannten, von 1826 bis 1833 das Gymnasium "Theodorianum" in Paderborn. In dieser Zeit entstehen seine ersten Gedichte. Nach bestandenem Abitur begann Weber im Frühjahr 1834 sein Medizinstudium in Greifswald in Vorpommern. Hier befasste er sich neben seinem "Berufsstudium" intensiv mit der mittelalterlichen deutschen Dichtung, altdeutschem Schrifttum und der deutschen Geschichte. Er interessierte sich für Fragen der Verslehre und volkstümlicher Überlieferung.
Während einer gemeinsamen zweimonatigen Reise mit Olaf Rydeberg nach Schweden entdeckte er 1836 seine Liebe zu skandinavischen Sprachen und der nordischen Literatur. Hier legte er den Grundstein für eine Reihe von Übersetzungen. Im gleichen Jahr setzte Friedrich Wilhelm Weber sein Studium in Breslau fort, wo er mit Gustav Freytag und Hoffmann von Fallersleben zusammentraf. 1837 kehrte er an die Universität Greifswald zurück, wo er am 20. Dezember 1839 zum Doktor der Medizin mit einer wissenschaftlichen Abhandlung "De struma" - "Über den Kropf" summa cum laude promovierte. Mit höchster Auszeichnung schloss Weber im Mai 1840 sein Medizinstudium mit der großen ärztlichen Staatsprüfung in Berlin ab.

F. W. Weber als Student in Greifswald
Auf Einladung seines wohlhabenden Studienfreundes Dr. Quistorp bereiste Weber zur Vertiefung seines ärztlichen Wissens anschliessend einige Monate Oesterreich, Italien und Frankreich, um sich dann in seinem Heimatort Alhausen als Landarzt niederzulassen. 1842 verlegte er die Praxis nach Bad Driburg. Sehr bald vermochte er sich als Arzt auszuzeichnen und gewann während einer Typhusepidemie schnell das Vertrauen seiner Patienten.
Daneben interessierte sich der junge Arzt auch für die politischen Entwicklungen seiner Zeit. Er war Mitbegründer und Vorsitzender des "Verein der Volksfreunde", dessen Versammlungen er regelmäßig besuchte.
In dieser Zeit lernte Friedrich Wilhelm Weber seine spätere Ehefrau Anna Gipperich kennen, die er am 31. Januar 1850 in der Sankt Walburga Kirche in Meschede heiratete. Das junge Paar bezog eine eigene Wohnung in Driburg. Im Verlaufe der Ehe wurden ihm die Tochter Elisabeth, zeitlebens von Weber liebevoll Liese genannt und Friedrich Wilhelm jun., von den Eltern Friedemann gerufen, geboren.

Brunnenarzt in Bad Lippspringe
Seinem lokalpolitischen Engagement war es zu verdanken, dass Weber 1854 in die Stadtverordnung Bad Driburg gewählt wurde, der er bis 1860 als Stadtrat angehörte. In diese Zeit fiel die Begegnung Webers mit dem dänischen Theologen Wilhelm Birkedahl, die entscheidend für die Festigung seiner Glaubenshaltung war.
1856 wurde der allseits beliebte und geschätzte Landarzt als Brunnenarzt nach Bad Lippspringe berufen. Hier trat Weber erstmals mit Veröffentlichungen im Taschenbuch "Arminia", 1857 zum 25jährigen Bestehen des Bades von Moritz Bachmann herausgegeben und der 1858 selbständig veröffentlichten Schrift "Die Arminiusquelle zu Lippspringe" hervor. Nicht zuletzt wegen seiner Brunnenanalyse, die den Ruf Lippspringes als Heilbad festigte, wurde ihm 1863 der Titel "Sanitätsrat" verliehen. Während der Sommermonate pendelte Weber nun zwischen Driburg und Lippspringe. Mit Rücksicht auf seine angegriffene Gesundheit mußte er seine Tätigkeit als Brunnenarzt 1865 aufgeben.

Schlossruine in Bad Lippspringe
Aufgrund seines hohen persönlichen Ansehens wurde Friedrich Wilhelm Weber 1862 als konservativ-demokratischer Abgeordneter des Wahlkreises Höxter-Warburg in den Preußischen Landtag gewählt, dem er als Zentrums-Politiker von der 6. bis zur 17. Wahlperiode über dreißig Jahre bis 1893 angehörte.
Die Quelle seiner Poesie sprudelte in dieser Zeit hohen beruflichen und politischen Engagements spärlich, obwohl sie nie gänzlich versiegte.
Schloss Thienhausen um 1880
1867 nahm Weber das Angebot des Freiherrn Guido von Haxthausen an, auf das im Renaissance-Stil erbaute Wasserschloss Thienhausen bei Steinheim zu übersiedeln. Hier übersetzte er die Gedichte "Enoch Aden", "Aylmers Field" und Maud von Sir Alfred Tennyson, gab einen Band schwedischer Volkslieder in deutscher Übersetzung mit entsprechender Singweise heraus und übersetzte die lyrische Dichtung "Axel" von Esaia Tegner, dessen Hauptwerk, die Frithjofs - Sage auch in Deutschland zum Gemeingut geworden war.
Zum Weihnachtsfest 1877 schrieb in der ländlichen Abgeschiedenheit sein Hauptwerk, das Versepos "Dreizehnlinden", dass er seiner Tochter Elisabeth unter den Weihnachtsbaum legte.
Dieses im September 1878 erstmals aufgelegte Werk machte Weber mit einem Schlag als Dichter berühmt. Bereits 1880 ehrte ihn die Universität Münster mit der Ernennung zum Ehrendoktor der philosophischen Fakultät. 1885 folgte die Herausgabe der "Marienblumen" , einer Dichtung zu Bildern von Wilhelmine Ittenbach.
Zwanzig Jahre verlebte die Familie Weber in der romantischen Umgebung Thienhausens, bevor sie im Juli 1887 ein eigenes Haus, im englischen Landhausstil, im nahegelegenen Landstädtchen Nieheim, erwarb.

Weberhaus in Nieheim 1893
Hier veröffentlichte Weber 1882 seine Sammlung ausgewählter Gedichte, 1887 die Dichtung "Das Vaterunser" zu Bildern von Paul Thumann und 1892 sein Epos "Goliath" sowie die Dichtung "Das Leiden unseres Heilandes" zu Bildern von P. Molitor.

In völliger geistiger Frische verlebte Friedrich Wilhelm Weber seinen achzigsten Geburtstag, Grußadressen aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland erreichten ihn an diesem Ehrentag.
Bis wenige Tage vor seinem Tod am 5. April 1894 galt seine Sorge seinen Patienten.
Seine letzte Ruhestätte fand der beliebte Arzt, engagierte Politiker und in seiner Zeit begeistert gefeierte Dichter im Schatten der von ihm besungenen Friedhofslinden auf dem Nieheimer Friedhof.

Friedrich Wilhelm Weber hinterließ noch den Gedichtband "Herbstblätter", der 1896 in den Buchhandel erschien.
Ein Leben, reich an treuer Berufsarbeit, reich an politischer Pflichterfüllung und reich an Poesie, hatte sich erfüllt.

Ein Lebensbild sowie ein Gesamtverzeichnis der Literatur von und über Friedrich-Wilhelm Weber finden Sie unter
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