Diese Seite lädt Sie ein, sich an Gedichten Friedrich Wilhelm Webers zu erfreuen .In periodischen Abständen stellen wir Ihnen hier eine neue Auswahl vor .
Im Lenze
1838
Das Vöglein sitzet und singet
Im höchsten Wipfel des Hags:
Es singt von der seligsten Wonne
Des schönen Maientags.
Von des Himmels strahlender Bläue,
Vom duftigen Blütenstrauch,
Von der Lüfte Küssen und Kosen
Und - ach! – von der Liebe auch.
Und sollt’ ich als Vöglein fliegen,
Wie arm wär’ mein Gesang,
Ich wüsste wohl alles, und wüsste
Von der Liebe nicht einen Klang.
Norwegische Frühlingsnacht
Aus dem Norwegischen von Welhaven
Lenznacht, wie wiegt sie so warm
Hügel und Täler im Arm.
Ströme, vom Felsen nieder,
Brausen die uralten Lieder.
Elben flüstern,
Liebelüstern,
Mit den Lilien:
Küsset uns, so küssen wir euch wieder.
Silbern die Bergfirst steht,
Zeigt, dass der Mond aufgeht.
Hell über Fichten und Fjorden
Segeln die Wolken gen Norden.
Bald vom klaren,
Wunderbaren
Licht umflossen,
Wirst du sehn, wie schön die Welt
Geworden.
Öffne dein Aug’ in der Nacht,
Sieh, die Erinnrung erwacht;
Freundliche Geister steigen
Klar aus dem dämmernden Schweigen.
All die frommen
Schatten kommen,
Die dir freundlich
Winken aus den mondbeglänzten Zweigen
Hör nur, sie lispeln dir hold,
Was du geträumt und gewollt.
Trostvoll lautet die Sage
Schöner vergangener Tage.
Horch den trauten
Lieben Lauten,
Dass sie lindern
All dein sehnend
Leid und deine Klage.
Fotos: W. rinschen (c)