Friedrich Wilhelm Weber 1813 - 1894
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Ausgewählte Gedichte
Ausgewählte Gedichte

                    

Diese Seite lädt Sie ein, sich in Gedichte Friedrich Wilhelm Webers zu vertiefen.
In periodischen Abständen  stellen wir Ihnen hier eine neue Auswahl vor.

Bei Friedrich Wilhelm Webers Dichtungen begegnen wir immer wieder dem Rhythmus der Jahreszeiten.

 Mit lyrischen Gedanken Friedrich-Wilhelm Webers wünschen wir

Ihnen schöne

FRÜHLINGSTAGE

 



                                                             



Früher Lenz

 

Das sind die sentimentalen Seelen,

Die seufzen nach Veilchen und

Philomelen

In trübe dämmernder Lichtmesszeit,

Wenn’s taut und friert,

Wenn’s regnet und schneit.

 

Man soll den Lenz willkommen heißen,

Wenn sich das erste Grün erneut,

Beim ersten lustigen Spatzenbeißen:

Der freut sich recht, den kleines freut.





               Frühlingsfreude

 

 

Seh’ ich erst wieder blühen

Die Rosen an deinen Wangen,

So ist mir nie so lieblich

Ein Frühling aufgegangen.

 

Mag ich dein Aug’ erst wieder

In stiller Klarheit schauen,

Nie war mir lieber die Sonne

Nach langem Wintergrauen.

 

Und hör’ ich dein helles Lachen

Erst wieder klingen und schallen,

Was kümmern mich die Lerchen,

Die Drosseln und Nachtigallen? –

 

Nun rede nicht vom Winter,

Wie schwer und trüb er gewesen:

Der Frühling ist gekommen

Und du, du bist genesen!



  

Frühlingsjubel

 

 

Frühlingslüfte, sieben Sonnen!

Lustig singen Bach und Bronnen

Und der Drossel Lied erschallt.

Fort mit Harm und Wintertrauer!

Kommt hervor aus

Wall und Mauer,

Kommt hinaus in Feld und Wald!

 

Plagt euch nicht mit Hieroglyphen,

Forscht nicht in den tiefsten Tiefen

Nach der Weisheit rechter Spur:

Düster sind die schwarzen Lettern,

Doch auf duftig grünen Blättern

Steht die Weisheit der Natur.

 

Hier im Buch der Offenbarung

Sucht für Leib und Seele Nahrung,

Lebensmut und Geistesruh!

Doch wie Kinder müsst ihr lesen:

Fromm, einfältig, rein: dem Bösen

Schließt sich jede Blüte zu.

 

Wisst, die alten Zauber wirken

Noch in heiligen Waldbezirken,

Gottes Odem ist euch nah!

Glaubt nur an des Geistes Wehen,

Und ihr werdet Wunder sehen,

                          Wie Merlin der Wilde sah.





                                                                                ©  Fotos: Wolfgang Rinschen


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